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Samstag, 06.12.2003
Malen/Bleistiftzeichnung

In kaum einer anderen bildnerischen Technik wirkt sich das Zusammenspiel von Grund und Medium so stark aus wie bei der Zeichnung. Glatte oder rauhe, harte oder weiche Gründe, Papierstrukturen und –arten sind wesentlich für die Auswahl des Mediums. Ob Kohle, Kreide oder Bleistift, Feder oder lavierender Pinsel, ihre Verwendung hängt von der Art des Papiers bzw. des Zeichengrundes ab und ist äußerst vielfältig. Ich möchte mich hier auf die Verwendung von Blei- und Farbstiften und meine bevorzugten Zeichengründe, nämlich Büttenpapier und beschichtete Holzplatten beschränken.

Bütten wird aus eingeweichten Hadern (textile Grundstoffe) die überwiegend aus cellulosehaltigen Fasern bestehen, auf der Rundsiebbüttenmaschine hergestellt oder gar noch handgeschöpft. Die Herstellung ist sehr aufwendig und hat eine über 2000 Jahre alten Tradition. Heute wird statt Hadern meist Baumwollfaserstoff eingesetzt. Handgeschöpfte Papiere haben keine Laufrichtung und sind unregelmäßig strukturiert. Leichtere Büttenpapiere sind meist weniger stark strukturiert, schwere, dicke Bögen stärker. Zum Zeichnen auf diesem Material verwende ich handelsübliche Bleistifte in den 16 Härtegraden von 8B bis 6H, also von ganz weich bis sehr hart, seltener PITT Künstlerstifte in den Farben Sepia, Rötel, Weiß- und Schwarzkreidestift.

Zunächst erstelle ich mit einem gut gespitzten Bleistift HB (mittlere Härte) und geringem Druck die Vorzeichnung. Drückt man stärker auf oder benutzt einen harten Stift, graben sich die Linien in das weiche Büttenpapier ein. Der Strich soll so leicht auf dem Papier liegen, so daß radieren nicht erforderlich ist, weil dadurch die empfindliche Büttenoberfläche weiter aufgerauht und beschädigt würde. Allenfalls können durch ganz vorsichtiges, auf die auszubessernde Stelle beschränktes radieren mit einem sehr weichen Gummi, merkbare Verletzungen des Papiers vermieden werden. Bei Strichzeichnung kann die Konturlinie modulierend, d.h. mit wechselnder Strichstärke, verursacht durch unterschiedlichen Druck oder nachziehen mit einem weicheren Stift, gestaltet werden. Nach dem Festlegen der Konturen modelliere ich die Binnenräume mit Schraffuren mit leichter Hand. Es ist wirklich wichtig hier nur mit ganz leichtem Druck zu arbeiten. Vorzugsweise lege ich mit weicheren Stiften mehrere Schraffurebenen übereinander um tiefe Schatten zu erreichen. Bei gut strukturierten Papieren liegt der Strich nur auf den erhabenen Stellen, die tiefen Stellen des Grundes bleiben frei - es entstehen Flächen die lebendig sind. Wird die modellierte Fläche durch unkontrolliertes „Hin-und Hergefahre“ mit dem Stift oder gar durch das „beliebte“ Verwischen mit der Fingerkuppe erzeugt, setzt sich Graphit in den Tiefen des Büttenblattes fest und die Flächen wirken „totgezeichnet“. Zu starkes Aufdrücken mit weichen Stiften ergibt glänzende Stellen, die unangenehm stören und auch nicht wieder beseitigt werden können.

Sinngemäß treffen diese Bemerkungen auch auf Bleistiftzeichnungen auf Hartgrund zu. Als Hartgrund bezeichne ich mit Acryl-Spachtelmasse beschichtete Spanplatten. Dem Acrylspachtel setzte ich etwa ein Drittel Quarzsand feiner Körnung zu. Nach dem Durchtrocknen grundiere ich mit Dispersion, den letzen Dispersionsauftrag führe ich mit einer Schaumgummiwalze aus. Es ergibt sich eine feinstrukturierte Oberfläche, die an ganz feinen Wandputz erinnert. Durch die deutlich größere Härte und Dichte dieses Grundes wirken sich Härtegrade der Stifte und Stärke des Zeichendruckes anders aus als bei Bütten. Grundsätzlich sollte man vor jeder Arbeit mit neuem Zeichengrund Tests in dieser Richtung durchführen, sogar gleichartige Papiere eines anderen Herstellers können hier deutliche Unterschiede in der Auswahl der Stifte und ihrer Anwendung nötig machen. Bleistiftzeichnungen auf Papier können fixiert werden, eine Rahmung hinter Glas ist trotzdem erforderlich. Bleistiftzeichnungen auf Hartgrund können mit mehreren Schichten eines farblosen Mattlacks auf Acrylbasis so geschützt werden, daß sie keinen Glasschutz brauchen und sogar zu Reinigungszwecken feucht abgewischt werden können.