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Samstag, 09.08.2003
Malen/Öl alla prima

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts hat sich in der Ölmalerei die alla prima - Technik durchgesetzt und die aufwendige Öllasurtechnik weitgehend abgelöst. Bedingt durch größere Formate wurden immer leichtere Bildträger notwendig. Schwere Malgründe aus Holz waren ungeeignet und mit Leinwand bespannte Keilrahmen traten ihren Siegeszug an. Untermalungen wurden vereinfacht in Öl ausgeführt oder entfielen ganz. Es wurde halb deckend lasiert, manche Lasurschicht ließ man weg und schließlich wurden die Farben auf der Palette gemischt und deckend auf den Malgrund aufgetragen. Das Verfahren war vereinfacht und die alla prima - Malerei geboren. Bis heute gehört diese Technik zu der am häufigsten angewandten in der Ölmalerei.

Wurde als Malgrund früher hauptsächlich auf Keilrahmen gespannte Leinwand verwendet, kann man heute unter verschiedenen Gründen auswählen. Baumwolle und Mischgewebe, Jute und synthetische Fasern, grundiert oder ungrundiert, Karton, Malplatten aus Holz oder Hartfaser, Metall und kunststoffbeschichtetes Material. Größtenteils verwenden professionelle Maler auch heute noch grundierte Gewebegründe. Ein schwach saugender Kreidegrund oder ein acrylgebundener Fertiggrund sind ideale Basen für die alla prima - Technik. Ebenso gibt es eine große Anzahl fertig hergestellter Ölfarben in verschiedenen Qualitäten, obwohl gerade in letzter Zeit einige Maler dazu übergehen ihre Farben und Malmittel wieder selbst herzustellen. Über den Sinn mag man streiten, da eigenhändig angeriebene Farben weder preisgünstiger noch qualitativ hochwertiger sind.

Bei der alla prima - Malerei wird zunächst eine Vorzeichnung mit Kohle oder Tusche auf die grundierte Leinwand aufgebracht. Dann wird eine Palette aller eventuell benötigten Farben zusammengestellt, dies ist eine sehr individuelle Aufgabe, da jeder Künstler bestimmte Farbtöne bevorzugt, andere hingegen selten oder nie verwendet. Balsamterpentinöl und Malmittel sollten ebenso bereitstehen wie Pinselreiniger und Reinigungstücher. Es empfiehlt sich, mit stark verdünnter Ölfarbe, rasch eine Untermalung in mittleren Tönen auszuführen, weil damit eine gute Basis für den Aufbau des Bildes geschaffen werden kann. Nach einer kurzen Trocknungsphase werden nun für die einzelnen Bildflächen die Farben auf der Palette gemischt und auf den Malgrund aufgetragen. Nach dem das Bild in Mitteltönen und Schattenbereichen fertiggestellt ist, kommen helle, beleuchtete Bereiche und Glanzlichter an die Reihe. Zum Schluss können noch lasierend ganz feine Farbnuancen aufgesetzt werden Jeder Maler unterscheidet sich in Duktus und Farbauftrag - glatt und eher zögerlich der eine, rasch und pastos der andere. Eines gilt jedoch für alle Maler: Die unteren Farbschichten müssen mager sein, darüber liegende Farbschichten können fetter werden. Das bedeutet, dass in unteren Schichten wenig oder kein ölhaltiges Malmittel verwendet werden darf, die Farbschichten dünner sein müssen als darüber liegende Schichten, in denen mehr Malmittel zum Einsatz kommen kann. Beachtet man diese Regel nicht, sind Schäden am Bild, Risse im Farbauftrag, Sprünge und Craquelés nahezu unausbleiblich. Der Schlussfirnis kann erst nach dem völligen Durchtrocknen der Arbeit, also nach ca. 8 Monaten aufgebracht werden.

Diese Öltechnik ist für alle Arten der Malerei geeignet, große und kleine Formate, abstrakte oder gegenständliche Arbeiten, feine fotorealistische Darstellungen oder hingefetzten, pastosen Auftrag. Grundsätzlich gilt aber auch hier, wie für alle anderen Techniken: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.