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Von Holland aus verbreitete
sich die altmeisterliche Malerei im 15. Jahrhundert
fast gleichzeitig in Frankreich, Italien und Deutschland
und fand Anwendung bis zur alla prima - Malerei der
Barockzeit. Van Eyck gilt als ihr Erfinder. Wichtige
süddeutsche Vertreter waren, um nur einige zu
nennen, Holbein, Dürer und Altdorfer.
Der klassische Malgrund
für die altmeisterliche Malerei ist die Holztafel.
Bevorzugt wird Hartholz, harzreiches, weiches Holz,
wie Kiefer oder Lärche eignet sich nicht. Auf
die Holztafel ist ein schwach saugender Kreidegrund
aufzubringen, auch die Rückseite wird grundiert,
um das Verziehen zu vermeiden. Deshalb sollten auch
keine größeren Formate verwendet werden.
Moderne Malgründe, Hartfaserplatten, Sperrholz
oder vorgrundierte Malplatten können verwendet
werden, entsprechen aber nicht der Kostbarkeit altmeisterlicher
Technik.
Nachdem der Kreidegrund
sorgfältig aufgebracht und geschliffen ist, wird
der erste Anstrich - Imprimitur genannt - in englischroter,
bräunlicher oder graugrüner Eitempera aufgetragen.
Darauf wird die Vorzeichnung in Kohle möglichst
genau ausgeführt und fixiert. Eine dünne
Schicht Malmittel, aus Standöl, Leinöl,
Balsamterpentinöl und Dammarfirnis schließt
den vorbereitenden Arbeitsgang ab.
Nach einigen Tagen,
wenn die Malmittelschicht noch leicht klebrig ist,
wird mit der Weißhöhung begonnen. Mit weißer
Eitempera werden die hellen Flächen der Vorzeichnung
markiert, Übergänge werden durch leichtes
Verreiben mit den Fingern oder Klopfen mit dem Handballen
erreicht. Es entsteht eine modellierte Untermalung,
die an eine alte bräunlich-rote Fotografie erinnert.
Allerdings erfordert dieser Arbeitsgang große
handwerkliche Fähigkeiten und geduldige Vorübungen.
Nach dem vollständigen Trocknen des Malmittels
in dem die Weißhöhung nun fest verankert
ist, kann mit den ersten Lasuren begonnen werden.
Entsprechend klassischer Regel ist die erste Lasur
Goldocker, dadurch soll ein warmer Grundton erzielt
werden. Mit handelsüblichem Malmittel und / oder
Balsamterpentinöl wird die Ölfarbe verdünnt
und zügig mit einem breiten Flachpinsel aufgetragen.
Der Lasur über hellen Untermalungsflächen
wird ein kleiner Teil weiße Ölfarbe zugegeben,
dadurch wird sie etwas opak. Dunkle Flächen werden
ohne diesen Weißanteil lasiert. Nun wird Ölfarbe
Schicht für Schicht lasierend oder manchmal auch
halb deckend aufgebracht. Zwischen dem Lasieren der
einzelnen Schichten sind Trocknungszeiten einzuhalten,
damit die darunter liegende Schicht nicht angelöst
wird. Sehr helle Stellen, Glanzlichter usw. werden,
wenn nötig, zwischendurch mit Eitempera weiß
gehöht. Darüber sind aber dann wieder mindestens
eine oder mehrere Öllasuren zu legen. Zum Schluss
wird in der jeweils gewünschten Lokalfarbe sehr
dünn lasiert, Glanzlichter z.B. je nach Beleuchtung
die im Bild vorherrscht, Blau, Violett, Gelb oder
Rot.
Die Arbeit mit Lasuren
ist recht diffizil und erfordert viel Übung und
Experimentierfreudigkeit. So kann z.B. auf Malmittel
ganz verzichtet werden und statt dessen die Ölfarbe
mit einem weichen, trockenen Pinsel ganz dünn
vertrieben werden. Die ersten Lasurschichten verhalten
sich auch anders als zuletzt aufgebrachte, sie trocknen
langsamer und lösen sich leichter ab. Jeder Maler
der sich ernsthaft mit altmeisterlicher Malerei befasst,
wird so zu seiner ganz individuellen Arbeitsweise
finden, auf manchen Arbeitsgang verzichten oder abgeändert
anwenden. So kann z.B. die Imprimitur, die Malmittelschicht
und die Weißhöhung ersetzt werden durch
eine farbige Untermalung mit Dispersion, auf der dann
die Lasuren in herkömmlicher Manier aufgebracht
werden. Wenn auch altmeisterliche Arbeiten äußerst
arbeitsintensiv sind und große Fertigkeiten
verlangen, wird der Könner durch Werke belohnt
deren einzigartige Leuchtkraft und Magie besticht,
und deren Haltbarkeit und Frische durch Werke aus
dem 15. Jahrhundert bis heute belegt sind.
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