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Samstag, 06.12.2003
Malen/Öllasur

Von Holland aus verbreitete sich die altmeisterliche Malerei im 15. Jahrhundert fast gleichzeitig in Frankreich, Italien und Deutschland und fand Anwendung bis zur alla prima - Malerei der Barockzeit. Van Eyck gilt als ihr Erfinder. Wichtige süddeutsche Vertreter waren, um nur einige zu nennen, Holbein, Dürer und Altdorfer.

Der klassische Malgrund für die altmeisterliche Malerei ist die Holztafel. Bevorzugt wird Hartholz, harzreiches, weiches Holz, wie Kiefer oder Lärche eignet sich nicht. Auf die Holztafel ist ein schwach saugender Kreidegrund aufzubringen, auch die Rückseite wird grundiert, um das Verziehen zu vermeiden. Deshalb sollten auch keine größeren Formate verwendet werden. Moderne Malgründe, Hartfaserplatten, Sperrholz oder vorgrundierte Malplatten können verwendet werden, entsprechen aber nicht der Kostbarkeit altmeisterlicher Technik.

Nachdem der Kreidegrund sorgfältig aufgebracht und geschliffen ist, wird der erste Anstrich - Imprimitur genannt - in englischroter, bräunlicher oder graugrüner Eitempera aufgetragen. Darauf wird die Vorzeichnung in Kohle möglichst genau ausgeführt und fixiert. Eine dünne Schicht Malmittel, aus Standöl, Leinöl, Balsamterpentinöl und Dammarfirnis schließt den vorbereitenden Arbeitsgang ab.

Nach einigen Tagen, wenn die Malmittelschicht noch leicht klebrig ist, wird mit der Weißhöhung begonnen. Mit weißer Eitempera werden die hellen Flächen der Vorzeichnung markiert, Übergänge werden durch leichtes Verreiben mit den Fingern oder Klopfen mit dem Handballen erreicht. Es entsteht eine modellierte Untermalung, die an eine alte bräunlich-rote Fotografie erinnert. Allerdings erfordert dieser Arbeitsgang große handwerkliche Fähigkeiten und geduldige Vorübungen. Nach dem vollständigen Trocknen des Malmittels in dem die Weißhöhung nun fest verankert ist, kann mit den ersten Lasuren begonnen werden. Entsprechend klassischer Regel ist die erste Lasur Goldocker, dadurch soll ein warmer Grundton erzielt werden. Mit handelsüblichem Malmittel und / oder Balsamterpentinöl wird die Ölfarbe verdünnt und zügig mit einem breiten Flachpinsel aufgetragen. Der Lasur über hellen Untermalungsflächen wird ein kleiner Teil weiße Ölfarbe zugegeben, dadurch wird sie etwas opak. Dunkle Flächen werden ohne diesen Weißanteil lasiert. Nun wird Ölfarbe Schicht für Schicht lasierend oder manchmal auch halb deckend aufgebracht. Zwischen dem Lasieren der einzelnen Schichten sind Trocknungszeiten einzuhalten, damit die darunter liegende Schicht nicht angelöst wird. Sehr helle Stellen, Glanzlichter usw. werden, wenn nötig, zwischendurch mit Eitempera weiß gehöht. Darüber sind aber dann wieder mindestens eine oder mehrere Öllasuren zu legen. Zum Schluss wird in der jeweils gewünschten Lokalfarbe sehr dünn lasiert, Glanzlichter z.B. je nach Beleuchtung die im Bild vorherrscht, Blau, Violett, Gelb oder Rot.

Die Arbeit mit Lasuren ist recht diffizil und erfordert viel Übung und Experimentierfreudigkeit. So kann z.B. auf Malmittel ganz verzichtet werden und statt dessen die Ölfarbe mit einem weichen, trockenen Pinsel ganz dünn vertrieben werden. Die ersten Lasurschichten verhalten sich auch anders als zuletzt aufgebrachte, sie trocknen langsamer und lösen sich leichter ab. Jeder Maler der sich ernsthaft mit altmeisterlicher Malerei befasst, wird so zu seiner ganz individuellen Arbeitsweise finden, auf manchen Arbeitsgang verzichten oder abgeändert anwenden. So kann z.B. die Imprimitur, die Malmittelschicht und die Weißhöhung ersetzt werden durch eine farbige Untermalung mit Dispersion, auf der dann die Lasuren in herkömmlicher Manier aufgebracht werden. Wenn auch altmeisterliche Arbeiten äußerst arbeitsintensiv sind und große Fertigkeiten verlangen, wird der Könner durch Werke belohnt deren einzigartige Leuchtkraft und Magie besticht, und deren Haltbarkeit und Frische durch Werke aus dem 15. Jahrhundert bis heute belegt sind.